×

Bestandsschutz und Gerichtsdolmetschergesetz (GDolmG)

Sachstand und Position des BDÜ Nord

Das Gerichtsdolmetschergesetz (GDolmG) war ursprünglich angedacht, um ein für alle Sprachmittler (Dolmetscher und Übersetzer) einheitliches und bundesweit gültiges Gesetz zu implementieren. Das hätte die Anwendung sowie das Verständnis für diese besondere Berufsgruppe der Sprachmittler im Fachbereich Rechtswesen deutschlandweit vereinheitlicht. Das GDolmG soll in seiner jetzigen Fassung (Stand: September 2021) zum 01.01.2023 inkrafttreten.

Durch die Eingrenzung seines Anwendungsbereichs allein auf die mündliche Sprachmittlung (Dolmetschen) – in Abgrenzung zu allen anderen Arten der Sprachmittlung wie das Übersetzen (schriftliche Sprachmittlung) und das Gebärdensprachdolmetschen (Sprachmittlung über Gebärden(sprache)) – bleibt die deutschlandweit schon bisher unübersichtliche Lage in diesem Punkt auch weiterhin kompliziert, zumal auf EU- und internationaler Ebene. Die Lage hat sich nach unserem Empfinden durch die Einführung des GDolmG in seiner jetzigen Form (Stand: September 2021) gar noch verschlimmert.

Es ist anderen Ländern (auf EU-Ebene aber auch weit darüberhinaus) kaum noch vermittelbar, dass es in Deutschland sage und schreibe 16 (sechzehn) verschiedene Vorgaben im Bereich Sprachmittlung im Rechtswesen gibt. Die unterschiedlichen Anforderungen, um die Beedigung (auch: Vereidigung, Ermächtigung) zu erlangen, erwecken geradezu den Eindruck eines Flickenteppichs. In einigen Bundesländern müssen nicht nur Kenntnisse in Sachen Rechtswesen, sondern auch die fachlichen Kenntnisse der Sprachmittlung an sich (Rolle des Dolmetschers in Verfahren, Dolmetschkenntnisse, Anfertigen von rechtssicheren Übersetzungen usw.) nachgewiesen werden. In anderen wiederum reicht der bloße Nachweis der Kenntnisse der deutschen Rechtssprache (Kenntnisse der ausländischen Rechtssprache sind leider auch nicht erforderlich) ohne allzuviele tiefergehende Kenntnisse in Sachen Dolmetschen und Übersetzen, um die Vorgaben zur Erlangung der Beeidigung zu erfüllen.

Einige Bundesländer schreiben für Übersetzungen (schriftlich) eine klare Bestätigungsformel vor und überreichen dem ermächtigten Übersetzer einen amtlichen, nummerierten Stempel für seinen Gebrauch. In anderen braucht es nicht einmal einen Stempel, schon gar keinen offiziellen nach bestimmten (im jeweiligen Landesjustizgesetz beschriebenen) Standards.

Grundsätzlich sind Justizangelegenheiten weiterhin über die Landesgesetze zu regeln. Durch die Einführung und Verabschiedung des GDolmG in seiner jetzigen Form (Stand September 2021) kommt es nun dazu, dass ab 01.01.2023 einerseits für die Beeidigung von Dolmetschern (mündliche Sprachmittlung) das GDolmG anzuwenden ist. Für die Ermächtigung (auch: Beeidigung, Vereidigung) von Übersetzern (schriftliche Sprachmittlung) aber weiterhin die jeweiligen Landesgesetze maßgeblich sind.

Nach derzeitigem Stand in Sachen GDolmG würden sämtliche aktuell bestehenden Beeidigungen (auch: Vereidigung) für Gerichtsdolmetscher (mündlich) zum 12.12.2024 ihre Gültigkeit verlieren. Das bedeutet, dass von einem Tag auf den anderen keiner der aktuell deutlich über 13 000 bundesweit registrierten Dolmetscher mehr über eine Beeidigung verfügte.

Sie alle müssten ihre Beeidigung neu beantragen. Und nur diejenigen, die einen universitären Abschluss als Dolmetscher, eine staatliche oder staatlich anerkannte Prüfung als Dolmetscher vorweisen können, hätten dann überhaupt dazu die Möglichkeit.

Alle anderen verlieren die Grundlage ihren Beruf auszuüben. Dabei sind sie oft bereits seit vielen Jahren als Dolmetscher (und oft auch zugleich als Übersetzer) im Fachbereich Rechtswesen tätig und haben allein schon über ihre langjährige Berufserfahrung ihre Kompetenz nachgewiesen. Das gilt insbesondere für viele Kollegen, die über einen anerkannten Abschluss als Übersetzer (schriftlich) verfügen und dadurch ihre Sprachmittlerkompetenz nachgewiesen haben. Sie haben sich über ihre Tätigkeit und oft auch über Weiterbildungskurse die zusätzlichen erforderlichen Qualifikationen eines Dolmetschers angeeignet und sie umgesetzt ­­– allerdings ohne dafür eine Prüfung abgelegt zu haben. Sie sind unsere Kollegen, wir setzen uns für sie ein.

 

nach oben

BDÜ

bdue xing twitter facebook youtube google pinterest linkedin mybdue

Nord

facebook twitter
×